Archäologen und Geologen geben zum Projekt "Lufthof" die ersten Ergebnisse bekannt

 

Am Donnerstag den  20.11.2025 fand auf Einladung des Heimat- und Geschichtsverein und der Gemeinde ein Vortrag von Dr. Harald Rosmanitz vom Archäologischen Spessartprojekt e.V. zum Thema „Schichten, Scherben und jede Menge Steine, die Ausgrabungen am Lufthof bei Dorfprozelten 2024“  statt.  Seine beiden Kolleginnen, die Archäologinnen Christine Reichert und Sabrina Bachmann, waren ebenfalls anwesend und es wurden bei dem Referat erste Ergebnisse zu den Grabungen am Lufthof bekannt gegeben. Der Sternsaal war voll besetzt und die ca. 100 interessierten Zuhörer erfuhren anhand einer eindrucksvollen Bilderpräsentation, was die viermonatige Grabung vom 17. Juni bis 17. Oktober 2024 an das Tageslicht gebracht hatte. Ziel der Grabung war die Erforschung eines landwirtschaftlichen Anwesen,, dessen urkundliche Spuren bis ins 14. Jahrhundert zurückreichten. Am 11. November 1329 wurde bereits der Hof „zem Lufft“ dem Deutschen Orden überschrieben.

Durch die Grabung und Auswertung der Fundstücke und vorgefundenen Gegebenheiten steht fest, dass mit der Bebauung des Lufthofes bereits im 13. Jahrhunderts begonnen worden war und es sich um ein mit einer etwa 3m hohen Sandsteinmauer umgegebenen Dreieckshof mit mindestens zwei Fachwerkgebäuden gehandelt hatte. Diese wurden vermutlich durch Brände zerstört und die erste Blütezeit endete 1379. Spezielle Kacheln, wie sie damals ausschließlich in Kirchenbauten vewendet und gefunden wurden, wiesen darauf hin, dass auf dem ca. 6400 m2 großen Gelände auch eine Kapelle vorhanden waren. Napfkacheln von Kachelöfen  und ziegelgedeckte Dächer ließen darauf schließen, dass es sich bei den Bewohnern um begüterte Menschen handelte. Hufeisenfunde und Glocken bestätigten die Tierhaltung. Eine Nachfolgebebauung konnte im 15. Jahrhundert nachgewiesen werden, ein weiteres zweistöckiges ziegelgedeckten Fachwerkgebäude wurde in der nordwestlichen Ecke der Umfassungsmauer ergraben. Im 17 Jahrhundert wurde der Hof aufgegeben und erst ab 1700 bis 1802 ward er Lufthof wohl wieder ganzjährig besiedelt, wurde aber nur noch als vergleichsweise bescheidener Schafhof genutzt.  Genauere Details zum Ablauf und den ersten Ergebnissen sind auf der Homepage des Archäologischen Spessartprojektes e.V. ersichtlich.

Wissenschaftler und Studierende des Geographischen Institutes der Universität Würzburg untersuchten während der gesamten Grabungszeit die umliegende Landschaft. Deren Ergebnisse erläuterte sehr ausführlich Hr. Dr. Christian Büdel, der zusammen mit seiner Kollegin Dr. Angela Suntrup gen. Tintrup angereist war, unter dem Titel „Zu den naturräumlichen Grundlagen eines mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wirtschaftshofes am Beispiel des Bodendenkmals "Lufthof" im südlichenSpessart.

Den erneut zahlreich erschienenen Zuhörern wurde hierbei beispielsweise bekannt, dass nur eine geringes Phosphatvorkommen in den Böden vorhanden war, dadurch bestenfalls minimale landwirtschaftliche Erfolge erzielt werden konnten und als Ergebnis daraus die Nutzung des Lufthofes kaum alleinig der Landwirtschaft zugeordnet werden kann. Entgegen der historischen Überlieferungen könnte der Lufthof also nicht nur Versorgungshof der nahegelegenen Burgen gewesen sein, sondern auch eine andere Funktion gehabt haben, beispielsweise als Raststation am damals vielbefahrenen Eselsweg.

Dr. Büdel erklärte ferner, dass für die Umfassungsmauer Miltenberger Sandstein aus maximal 2km Entfernung verwendet wurde und dafür etwa 100000 Steinen benötigt wurden, was der Ladung von ca. 2000 Ochsenkarren entsprach. Er erläuterte den Bestand und die Entstehung der 3 vorgefundenen Wasserquellen direkt am Areal und die Beschaffenheit der Unterböden.

Außerordentlich interessant war auch das damalige Wegesystem, das durch die geographischen Untersuchungen teilsweise nachvollzogen werden konnte. Auch diese Ergebnisse sollen auf der o.g. Homepage veröffentlicht werden.

Zusammenfassend lassen sich die ersten Ergebnisse aus den Vorträgen so bewerten, dass es sich bei dem Lufthof nach seinem Bau im 13 Jahrhundert keinesfalls um ein ärmliches landwirtschaftliches Anwesen handelte, dagegen sprechen die großen Aufwendungen für seinen Bau, seine Sicherung und seine Ausstattung. Es handelte sich um sehr begüterte Bauherren und der Hof wurde vermutlich nicht zur ausschließlich landwirtschaftlich genutzt.

Die weiteren Untersuchungen sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein und daraus wird sich für den Heimat- und Geschichtsverein die Möglichkeit ergeben, die Ergebnisse vor Ort am Lufthof digital darstellen zu können. Die Geschichte des Lufthofes kann damit archäologisch nachvollzogen werden, was dann erneut der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Insgesamt war die Lufthofgrabung ein vermutlich einmaliges Projekt sowohl für den Heimat- und  Geschichtsverein als auch die Gemeinde und ein herausragendes Beispiel dafür, was mit bürgerschaftlichem Engagement bewegt werden kann. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereines bedankte sich bei allen Beteiligten für ihr Interesse und ihre tatkräftige Unterstützung.